Eine Fliege gegen alle Klischees
Wir Angler sind den unterschiedlichsten Klischees unterworfen: Angler sind ausnahmslos waschbärbäuchige Einsiedler, Tierschänder und gehen einer langweiligen Beschäftigung nach, die nichts mit Sport zu tun hat.
Wer schon einmal mit der Fliege im Strom ohne Widerhaken gefischt hat, weiß, dass zumindest die letzten beiden Klischees der Unwahrheit entsprechen.
Seit meiner Kindheit begleitet mich das Verlangen bei den ersten Sonnenstrahlen im Jahr mit der Rute & Rolle ans Wasser zu ziehen. Mehrmals habe ich mich schon dagegen gewehrt und meine Ausrüstung verkauft. Doch nach dem 2 Mal habe ich mich dem Dämon in mir ergeben.
Auch dieses Jahr hatte ich mir einen schönen Spot herausgesucht, um meiner Fliege das Fliegen, Schwimmen und vor allem Fangen beizubringen. Kurzerhand war ich in die nächste Fischereischeinausgabestelle gestürmt und hatte einen Jahresschein beantragt. Schon bevor ich den Jahresschein erstanden hatte, war ich zwar ein paar Mal an diese Stelle gefahren, aber ich hatte nie den Kescher mitgenommen. Es ging nur ums Werfen und darum, einen Eindruck davon zu gewinnen, was richtiges Fischen bedeutet und im Wasser zu stehen -natürlich mit Stiefeln. Der Köder war dabei ein Stück Wolle. Für den Fisch könnte aber selbst dies einen Reiz ausüben. Ein potentieller Fisch, würde aber ins Leere beißen, weshalb ich meine Wurfübungen mit Wolle, Fische-Verarschen nannte. Genauso würde ich einen Angelschein-Kontrolleur verarschen, wenn dieser nach meinem Ausweis fragen würde. „Nein, ich mache nur Wurfübungen, Fische fange ich hier nicht!“ würde ich ihm entgegnen und ihm meinem Woll-Streamer hinhalten, der keinen Haken enthält. Diesmal war es anders: Der Waffenschein für den Haken war erstanden und nun konnte „scharf“ geangelt werden. Der Frau, die mir den Schein verkaufte, sagte ich, ich wolle die Fische wieder zurück setzen. Die Gute war völlig entgeistert und fragte, warum ich dann angeln würde. Ich erwiderte mit der Frage, ob sie schon mal mit Fliege geangelt habe und davon wisse, dass man ohne Widerhaken angelte. Den Fisch verletzte man ohnehin nicht und wenn man überhaupt etwas fange, sei der Fisch nur vorne in der Lippe gehakt. Werkzeug zum Lösen des Hakens sei dabei überflüssig. Spätestens da, hielt mich die gute Frau für genauso beknackt, als wenn ich ihr gesagt hätte, dass ich mit Brotkrume im Neckar auf Haie angeln wolle.
Wie der gestiefelte Kater mit hüfthohen Gummistiefeln der Sorte „atmungspassiv“ ausgestattet, ging ich nun von der großen Brücke, an der ich mein Gefährt abgestellt hatte, zum Wasser hinunter. Um die Hüfte trug ich eine kleine Tasche mit den nötigsten Utensilien. Daran hing ein Kescher zum Landen der Fische, in der linken Hand hielt ich die vier Teile der Rute, mit der ich den Schuppenträgern nachstellen wollte -diesmal ohne Verarsche und Wolle-aus-dem-Maul-ziehen. Die Rutenteile klapperten durch die vor Aufregung zitternden Finger. Am Wasser angekommen, überraschte mich mein Blick vom höher gelegenen Weg zum Wasser hinunter: Ich war nicht der Einzige, der Lust auf große Neckar-Rapfen hatte. Zwei Gleichgesinnte standen ebenso im Wasser und versuchten denen nachzustellen, die etwas oberhalb im Fluss –wie ich damals dachte- Insekten von der Wasseroberfläche schnappten. Dass die Rapfen nach etwas anderem schnappen mussten, konnte ich aus meinem ausbleibenden Erfolg schlussfolgern. Aber dazu später mehr. Den professionellen Wathosen und ruhigen Wurfbewegungen nach zu urteilen, machten die beiden Gleichgesinnten das nicht erst seit 2 Monaten –so wie ich. Es sann mir nach Erholung und nicht, mir Gedanken darum zu machen, so geschickt wie möglich werfen zu müssen, damit meine Anfänger-Identität nicht aufflog.
Entgegen des Klischees, sind Fliegenfischer kommunikative Angler. Austausch entsteht meist dort, wo Uneingeweihte das Treiben eines Fliegenfischers beobachten. In meinem Fall wollte ich Kontakte knüpfen und von den beiden Angelkollegen Gewässerinfos und Auskünfte über die besten Fangmethoden abgreifen. Dazu musste ich zur Insel hinüber auf der die beiden standen.
Als ich die „Atmungspassiven“ hochgekrämpelt hatte, wusste ich, warum die Kollegen Wathosen trugen: Man konnte nur damit auf die Insel im Wasser kommen. Die ersten Schritte in den Strom verrieten mir, dass ich wahrscheinlich mit meinen Stiefelchen versinken und nasse Füße sicher seien. Wenig elegant flog weiter unterhalb der Insel meine Wolle in den Neckar um mich einzuwerfen und nicht schon am Anfang eine der schönen Fliegenmuster zu verlieren, die ich in meinem Bindekurs bei dem Meister Werner Becker gebunden hatte. Nach wenigen Versuchen band ich die erste Fliege ans Vorfach und bemerkte kurz darauf, dass die beiden Kollegen die Insel verließen. Jetzt war klar, dass ich den Versuch wagen würde, auf die Insel zu kommen. Etwas zögerlich, der starken Stromschnellen wegen, setzte ich über die glatten mit Algen bewachsenen Steine am Grund einen Fuß vor den anderen. Die Wassermassen stemmten sich wie eine Lokomotive gegen meine Beine und es fühlte sich an, als ob ich einen Stausee aufhalten müsse. Wenn ich jetzt im Wasser umfiele, würde mich zumindest niemand sehen und mich auslachen. Langsam setzte ich einen Fuß vor den anderen und spürte, dass der Druck an meinen Beinen nachließ und das Wasser seichter wurde. Erleichtert erreichte ich die Insel.
Vor mir eröffnete sich eine Zunge von weißen Steinen die mir meinen Weg zu den weiter oben steigenden Fischen ebnete. Ich band –es kaum abwarten könnend- eine neue Fliege an und musste schon wieder ins Wasser, denn die Fische stiegen weiter oben, so dass ich sie mit meinen Würfen noch nicht erreichen konnte. An der Spitze der Insel wurde das Wasser rasant tiefer und ich konnte beängstigend abschätzen, ab wo mir das Wasser bis zum Halse stehen würde. Denn schon nach wenigen Metern waren keine Steine mehr am Grund erkennbar. Die Fischgeilheit zieht einen aber noch weiter an die Grenze des Ertragbaren. Ich stand jetzt bis ans obere Ende meiner hüfthohen Stiefel im Wasser, so dass der Kescher, der beim Gang zum Wasser in der Luft hing, nun komplett auf dem Wasser schwamm. In mir kam die Frage hoch, wie ich –die Wassermassen vor mir- überhaupt noch Angeln, geschweige denn, Werfen soll. 99% meiner Motorik waren damit beschäftigt, meine Balance zu halten und das Schlimmste zu vermeiden: dem unaufhörlichen Druck des Wassers nachzugeben und mich zu verletzen. Der Wasserdruck in einem Meter Tiefe ließ keinen Millimeter Platz zwischen dem Gummi meiner Stiefel und der Haut. Das Presswurstdasein meiner Stiefel ließ das Gummi so gegen meinen Fußnagel pressen, dass dieser schmerzte.
Ich konnte halbwegs stehen und nutzte das restliche Prozent meiner Motorik dazu, eine neue Fliege anzubinden. Die Rute klemmte ich in meine linke Achsel und drehte die kleine Hüfttasche nach vorne, um eine neue Fliege zu ergattern. Die durch das Auswerfen freigewordene Schnur trieb teils an mir vorbei, teils wickelte sie sich schlangenartig um meine Beine. Angeln unter diesen Bedingungen ist Kampf. Kampf gegen die Gewalten, gegen das Material, das immer wieder zum Fisch gebracht und koordiniert werden will und: gegen die Mücken.
Die Menge der Mücken ließ mich darauf schließen, dass sich alle Mückenkolonien aus der Umgebung versammelt haben mussten, um sich an mir aufzutanken. Meine Arme reichten nicht aus, die Armeen abzuwehren. Als wenn ich vom letzten Wochenende am Forellenpuff nicht schon ohnehin genug gestochen und gekratzt hätte, schieben mir meine kleinen Freunde wieder ihre Rüssel unter die Haut. Den Stand halten, die 15m Leine mit Doppelzug unter Einsatz beider Hände in der Luft zu halten, den Fisch zu verführen –all das lastet mich soweit aus, dass ich es nicht mehr schaffe, alle freien Stellen meines Körpers mit Insektenschutzmittel zu benetzen. Jede Nachlässigkeit in dieser Situation wird mit einem Stich quittiert und mit einem „Drecksviecher“ meinerseits gekontert. „Hinten bis 1 Uhr, den Arm weg vom Körper und vorne nicht zu tief runter mit der Rute“ befehle ich mir und die Schnur saust durch die Ringe. Manchmal tauchen die Fische in erreichbarer Nähe auf, werden aber vermutlich durch das Eingreifen der Strömung in die Schnur und das unnatürliche Beschleunigen der Fliege (Dreggen) verscheucht. Überall steigen jetzt die Fische und ich genieße es, wenn ich meine Fliege in die Nähe der Fische befördern kann. Nicht auszumalen, was passieren würde, wenn sich jetzt ein Fisch auf meine Fliege einließe. Bei einem Kawensmann würde ich wahrscheinlich vollends überfordert und könnte nicht mehr den Drahtseilakt aus Koordination und Balance meistern.
Wahrscheinlich würde ein Fisch durch den Knoten im Vorfach ohnehin abreißen, denn Ungeübte werfen immer wieder Knoten in die Schnur, die die Tragkraft der Schnur senken.
Die Strömung nahm zu und ich zog es vor, das tiefere Wasser zu verlassen und an Land zu gehen. Das Gummi um meine Füße weitete sich und in mir machte sich Entspannung breit. Mit festen Boden unter den Füßen konnte ich mich nun wieder frei bewegen und die Leine ausbringen, wie ich es im Kurs von Dieter Weiler gelernt hatte. Vor, zurück, vor und schießen lassen. Leider ohne Fliege, denn beim letzten ZURÜCK peitschte es wie bei Zorro. Die Schnur trat leider ohne Fliege den Vorschwung an, denn die Fliege wollte keine weiteren Flugstunden unternehmen und hielt sich stattdessen an einem Stein fest.
Es war dunkel und bei meiner nächsten Fliege musste ich die Brille von der Nase ziehen, die nicht nur dazu dient, die Fische besser zu sehen, sondern auch die Augen vor der Fliege zu schützen.
Die Steine auf dem Gewässergrund waren nicht mehr zu erkennen. Um einige Erfahrungen und noch viel mehr Mückenstiche reicher, trat ich den Heimweg an.

Um allen überzogenen Erwartungen auszuräumen: Der Einsteiger im Fliegenfischen fängt an einem normalen Fluss keinen Fisch.
Dazu gibt es zu viele Möglichkeiten, wie der Fisch dem Angler ein Schnippchen schlagen kann. Zu viele Leerwürfe verscheuchen den Fisch und wenn nicht die falsche Fliege vom Ziel der Begierde mit Argwohn unbeachtet bleibt, kann der Haken schnell in den Fluchten des Fisches ausgleiten.
Einsteiger ist man übrigens nicht mehr, wenn die Schnur den Doppelzug knotenlos übersteht. Der Fortgeschrittene hat sich in die Gedankenwelt des Fisches eingefunden hat und die Besessenen rufen ihre Freundin aus dem Nichts heraus, Goldköpfchen mit Goldköpfchen statt mit Schatzilein. Dem leibhaftigen Fliegenfischer geht es um mehr, als nur ums Fangen. Es ist wie so oft im Leben: Es zählen die kleinen Dinge. Zwei Haare, eine Feder und einen Faden, den man gekonnt um einen Haken gebunden hat. Heraus kommt ein Muster, dass nur entfernt einer wirklichen Fliege ähnelt, aber in das Beuteschema des Fisches passt. Beim Binden der Federn und Haare sind die Größenverhältnisse exakt einzuhalten. Die Fiebern fürs Schwänzchen dürfen nur so lang sein wie der Hakenbogen, die Flügel über dem Haken nur so lang wie der Hakenschenkel und von den mikrofeinen Eichhörnchenhaaren hat man nur die Hälfte davon zu nehmen, was man möchte. Man könnte meinen, der Fisch wartet mit Lupe und Maßband in seinem Versteck und misst unter der Lupe die Länge der Fliege bevor er die gleiche verspeist. Spaß beiseite. Manchmal beäugt die Forelle im Stillwasser tatsächlich längere Zeit die Fliege von allen Seiten, bevor sie unverrichteter Dinge aller Hoffnung des Anglers zuwider abdreht. Entweder die Präsentation oder das Aussehen haben den Fisch vergrault.

Fliegenfischen ist mehr als Sport.
Es ist die Vorbereitung auf das Event und die Überlegungen, welche Fliege wohl fängt. Es ist die Vorfreude, wenn man ans Wasser kommt und mit zittrigen Händen die erste Fliege anbindet.
Fliegenfischen ist retro-romantischer Rückzug aus einer beschleunigten Welt in eine entschleunigte Heimat, die man nur noch aus Filmen kennt, an deren Ende alles zusammenfließt und schließlich aus der Mitte ein Fluss entspringt.
Ausgesuchte Spots erinnern den Menschen mit allen Sinnen an die Schönheit der Natur: die Blüten zu riechen, dem Rauschen des Flusses zuzuhören und zu sehen, wie die Eintagsfliege ihren ungekonnten Flug vollzieht.
Es ist dieses Naturschauspiel, dass der leidenschaftliche Fliegenfischer immer wieder sucht:
Durch die Bäume am Ufer fallen die Sonnenstrahlen aufs Wasser und trennen wie mit Messers Schneide aus dem dunklen Wasser einen hellen Bereich heraus, wo man bis auf den Grund blicken kann. Wie auf einer kleinen Bühne steht hier die Forelle, bis über ihr auf dem glasklaren Wasser die Fliege hinwegschwimmt und die Forelle steigt…

Mit den sonnigsten Grüßen verbleibe ich…

TL,

Teelöffelchen ><)))°>


Vom Binden, Werfen und Fliegen aus Zäunen entfernen: Das Fliegenfischen
Nein, beim Fliegenfischen angelt man weder fliegende Fische noch angelt man im Fliegen.
Man angelt mit einer Fliege und zwar streng genommen mit einer künstlichen. Die, die es wissen wollen binden die kleinen Biester sogar selber. Jemand, der das noch nicht gemacht hat, kann sich kaum vorstellen, wie es ist, mit dünnem Garn die Krone einer Feder auf einen fingernagelgroßen Haken zu binden und anschließend 3 Fuchshaare als Schwänzchen einzuwickeln. Parachute Mayfly Der ganze Aufwand dient letztendlich nur dazu, das Original nachzuahmen, obgleich die ersten eigenen Fliegenimitate eher einer Ameise aus Tschernobyl gleichen, die in einen Topf voller Kleber gestürzt ist.
Wenn man einschlägige Fachliteratur liest, fallen einem besonders 2 Dinge auf: Einerseits die vielen neuen Begriffe über Federn und dem übrigen Glitterzeugs, dass eher aus der Requisite eines Theaters zu entstammen scheint, als einem Angelladen, anderseits die endlosen Begriffe für Fliegen. Diesbezüglich zweifle ich daran, dass die mehreren hundert Namen von echten Fliegen stammen. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass einer der Fliegenspezialisten seinen Versuchen unterschiedliche Namen gegeben hat, um andere Angler zu ärgern.
Einer Sage unter Fliegenfischern zufolge, binden die besten Bindespezialisten deshalb die schönsten Fliegenmuster, weil sie schon früh süchtig nach den Dämpfen ihres Klebefläschchens wurden. In den Kleber-Flashs sahen sie die verrücktesten Fliegenmuster und bauten diese einfach nach.

Nicht weniger komplex als das Fliegenbinden ist das Werfen der Fliege. Denn es geht beim Fliegenfischen entgegen der konventionellen Angelei nicht darum, einen Köder an einer Schnur rauszuwerfen, die mit Blei beschwert ist. Das wäre viel zu einfach...
Lediglich eine etwas schwerere Schnur steht dem Fliegenfischer als Gewicht zur Verfügung. Um diese zumindest 20 Meter vom Ufer in Richtung Beute zu transportieren, muss man durch lassoähnliche Bewegungen mit einer viel zu kurzen Rute die Schnur aufladen. Nach rund 20 Stunden üben spürt man, wie man mit der anderen Hand, die nicht die Rute hält, an der Schnur ziehen muss, damit diese sich noch mehr auflädt. Gelingt dies, schießt die Schnur sogar noch einige Meter mehr aus der Rute. Die erste Herausforderung beim Werfen besteht darin, seine Sehfähigkeit bei dieser Disziplin bis nach dem Wurf zu erhalten. Denn bei jedem Wurf schießen 15 Meter Schnur in Blitzschnelle und Kopfhöhe an einem vorbei, an deren Ende der Haken befestigt ist. Nachdem die ersten 500 Fliegenfischer ihr rechtes Auge verloren haben, hat der Markt die Lücke entdeckt und eine Brille entwickelt, die nicht nur die Augen schützt, sondern dem Fliegenfischer auch noch einen erheblichen Vorteil gegenüber den anderen brillenlosen Anglern verschafft: Er kann die Fische unter der Oberfläche erkennen. Seine Brille eliminiert nämlich die Lichtspiegelung.
OskarSo stand ich an einem sonnigen Märztag des Jahres 2011 mit meiner stylischen Brille bewaffnet an einem sowohl mit Fischen, als auch mit Anglern gut besetzten Forellenteich und machte meine Wurfübungen. Jeder Ankömmling steht an einem Forellenteich unter dem Druck, so schnell wie möglich einen Fisch zu landen. Man spürt die Blicke der anderen Angler förmlich, sobald man sein Gerät richtet und den ersten Wurf platziert. Mir blieb die Peinlichkeit nicht erspart, erst nach endlosen Würfen den ersten Fisch sicher zu landen. Denn bevor meine Fliege dort landen konnte, wo die Fische waren, musste die Fliege weit geworfen werden. Ich war leider der einzige Idiot, der es sich so schwierig machte. Die anderen Angler zogen nämlich mit den herkömmlichen und simplen Angelmethoden einen Fisch nach dem anderen ans Ufer. Meine Würfe wurden durch einen Zaun erschwert, der rund 8 Meter hinter mir das Gelände abgrenzte. Jedes Mal wenn mein Timing nicht stimmte und meine Schnur im Rückschwung zuviel absackte, verfing sich die Fliege im Zaun. Jeder Schritt zum Zaun, um die Fliege vom Draht des Zauns zu lösen, war eine Peinlichkeit für sich. Manchmal passierte mir das 3-5 Mal hintereinander. Aber so konnte ich zumindest den Tag der anderen Angler durch meine Wurftiraden erheitern.

Hätte ich nicht einen Monat vorher den Fliegenfischer Christian angesprochen, der mich gekonnt angefüttert hatte, wären mir all diese Erlebnisse erspart geblieben und ich hätte nicht meine neue Leidenschaft "gehakt".
Bis dahin wusste ich auch nicht, dass man sich in Schreiben unter Fliegenfischern straffe Leinen „Tight Lines“ wünscht und dies mit TL abkürzt. Zu unserer anschließenden Erheiterung wünschte ich meinem neuen Angelfreund in unserer ersten Email statt straffen Leinen, Teelöffelchen -eben TL.

Es ist, als wenn der liebe Gott sich eine Methode ausgedacht hat, mit der es nicht nur schwieriger ist, einen Fisch zu fangen, sondern sich auch selbst noch gefährdet.
Wahrscheinlich wäre der liebe Gott selbst verhungert, wenn er mit einer Fliege einen Fisch fangen wollte. Aber der liebe Gott würde wahrscheinlich auch ohne Widerhaken angeln und sofort die Objekte seiner Begierde sanft in ihr Element zurücksetzen. Fliegenfischen ist und bleibt eben die Königsdisziplin des Angelns.

Wenn man richtig werfen kann, sieht es so aus:


Hier eine Auswahl meiner ersten sieben Fliegen:
fliegen.pdf

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